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Akt 5 Erstarrt

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Akt 5 Erstarrt

Beitrag von Sue am Sa Nov 26, 2016 5:11 am



Welch Erniedrigung einfach unbeweglich und vollkommen erstarrt der Dinge zu harren die da kommen mögen. Die erstmalig vollkommen für sich gewonnene Freiheit wieder verloren, da der Körper völlig ausgezehrt war. Eine schreckliche Erfahrung die mit vollem Bewusstsein des Teufels einher ging.

War da ein leises Knistern im laublosen Gebüsch? Schritte?
Ja. In der Tat kamen da zögerliche Schritte näher, doch ein leiser Laut drang aus der Kehle der Hirschmutter. Sie hatte den reglosen Körper bemerkt und bedeutete ihrem fast erwachsenen Kalb in der Sicherheit des Halbdickichts stehen zu bleiben. All ihrer Instinkte zum Trotz trat das friedfertige Fluchtwesen näher. Zum Leid des Teufels blieb es ausser seiner eigenen Reichweite stehen und reckte die Nase nach ihm. Nur noch ein Stückchen. Komm her...'
Doch das Tier entschied seinen Instinkten zu folgen. Stampfend, mit leichtem Zögern in der Sicherheit wurde der Huf einen Schritt zurück gesetzt. Dann noch einer sowie ein weiterer und in diesem Moment riss es mit geweiteten Augen den feinen Kopf hoch und schaute hinter sich. Der Teufel konnte dessen Angst riechen und was noch schlimmer war, das Herz des Tieres deutlich schlagen hören. Im Geiste bildete er sich sogar ein, dass er das dicke Lebensrot in den starken Adern im wendigen Hals pulsieren sehen konnte. Doch es war in der Tat nur Einbildung. Sehen tat er es nicht, doch es rauschte verlockend und höhnisch in seinen Ohren.
Ein Wispern kam auf. Weiteres dumpfes Herztrommeln. Mehrere Wesen näherten sich, waren aufgeregt, während die beiden Herzen der Rehe panisch wurden, wo sie doch eben noch im  tief entspannten Ton schlugen, und dann preschten sie davon. Oder es zumindest versuchten.

Es erwischte das Kalb, welches dem Weißtupfenfell noch nicht ganz entwachsen war. Mit einem erstickten Schrei rief es noch während des Zusammenbrechens verzweifelt nach seiner unschlüssig stehenbleibenden Mutter. Doch was sollte sie schon gegen den Pfeil in der Schlagader des eigenen Jungtieres ausrichten. Doch sie war die Mutter. Sie wollte helfen, doch da überwog ihr Selbsterhaltungstrieb und sie ließ das sterbende Jungtier nach Luft ringend zurück. Fasziniert starrte der immer noch reglose Teufel auf das junge Wesen, dass er selbst mindestens bis auf die Knochen zerfetzt hätte, wenn es doch zwischen seine Finger geraten wäre. Genau sah er wie die tief dunkelbraunen Iriden mit den geweiteten Pupillen um Hilfe flehten. Doch von dem Teufel konnte es diese nicht erwarten. Höchstens einen schnelleren Tod. Doch der Schwarzhaarige lag unbewegt im seichten Schnee, unfähig sich auch nur zu rühren.

Ein heißeres Kläffen erklang. Es musste das eines älteren Hundes sein, denn es glich mehr dem Röcheln einer alten Kehle. Fast wie das des alten Mörders, denn du gejagt hattest. Erinnere dich. Und das tat die Menschenseele in der Tat prompt. Doch was gab es da schon zu sehen. Den Tot eines alten Mannes, der noch das Blut seiner Opfer an den Händen gehabt hatte. Das Blut seiner Tochter, der Enkel und der eigenen Frau. Der Grund für die Tötung war simpel. Hass. Selbsthass. Verzweiflung und Wut gepaart mit jahrelangem Anstauen. Für den Menschen im Teufelsgewand eine bittere Situation. Der Alte hatte ihn erkannt und sogar um den Tod gebeten, da er seine Tat nach dem letzten tödlichen Stich bereut hatte. Für alle hatte der damalige Marinekapitän eine angemessene Beerdigung anberaumt. Um etwaig aufkeimende Kraft sofort zu unterdrücken schmiss der Sturmwind dem Menschenelend wieder ein paar bittere Bilder der eigenen verzerrten Erinnerung vor die Augen.

Viel interessanter war nun, dass doch das rasselnde Kläffen des alten Köters näher kam. So nahe, dass der Teufel das Schnüffeln deutlich hören konnte. Und dann war das Tier auch schon an dem noch lebenden Reh, welches zusammengesackt war. Augenblicklich verbiss sich der Hund in der Kehle des Tieres. Und der Teufel konnte nur voller Neid und Bedauern zusehen, wie das minderwertige Blut aus den Lefzen heraus auf den Boden tropfte. Der Geruch war umso schlimmer als jede andere Empfindung. Er wollte es haben. Auch wenn es nur Tierblut wäre. Es würde helfen ein wenig zu Kräften zu kommen. Nur ein wenig. Und dann wäre der Köter dran. Und dann wäre genug Kraft für den Tod des Herrchens.
Oder der Herren, die mit dem Hund ankamen. Den Herzschlägen zufolge waren es mindestens drei tiefe Töne und einer, der fast noch wie ein junger Vogel flatterte. Ein Kind?
Es war durchaus möglich, dass Erwachsene ihre Kinder mitnahmen, wenn diese das Handwerk lernen sollten. Doch dieses Herz hier war aufgeregter als die der Erwachsenen, welche eher so klangen, als würden sie den Stolz der Personen aus der lebendigen Brust heraustrommeln wollen. Also hat das Kind getötet. Hehe
Oh ja, er wusste wie sich der erste Tot der Beute anfühlte auch wenn er selbst diese nicht gerissen hatte. Und nun wusste er, welches seine erste Beute werden würde. Doch erst ein Mal in die Lage kommen die Jagd aufnehmen zu können.

Die Menschen brachen durch die trockenen Zweige der Büsche und sprachen lobende Worte zu dem treuen Haustier, welches mit einem weiteren heißeren Wuff antwortete. Er wurde weggeschickt und begann augenblicklich der Spur der Rehmutter zu folgen, ehe er den daliegenden Teufel bemerkte und schlagartig stehen blieb. Das Tier war seinen Instinkten unterlegen, verspürte Angst und wie die Rehmutter eben den Reflex zu fliehen. Doch da war auch noch die Treue zu seinen Herren. Also kläffte er ohne Unterlass und voller Aggressivität. Er wollte seine menschen warnen, doch diese kamen voller Neugierde näher. Fragten was los sei, aber alle Beruhigungsversuche dem Tier gegenüber schlugen fehl. Es würde sich nicht beruhigen lassen. Aber Menschen waren so unsensibel einer drohenden Gefahr gegenüber.
Sie entdeckten den reglosen Körper und eilten an dessen Seite. Es waren zwei Männer mittleren Alters. Sie bedeckten den kalten Leib mit ihren Mänteln, fühlten den Puls und nur zu gern hätte der Teufel einfach zugebissen, doch es ging einfach nicht. Er war komplett paralysiert. Hektisch sprachen die Menschen miteinander, planten wie sie nun vorgehen sollten. Ein Frauenname wurde gerufen: Sia! Und das sanfte Herzflattern kam rasch näher.
Sie wurde beauftragt bei den Männern zu bleiben und ein Auge auf den Leblosen zu haben. Aus dem Augenwinkel sah der Teufel ihr nicken, woraufhin sie sich zu ihm kniete.
Wie unsensibel deine Menschen doch sind, nicht wahr Hundchen!?, dachte er rethorisch zu dem Tier, welches Aufgrund seiner weiteren Kläfferei zusammengeschimpft wurde.

Da war eine weiche Hand in seinem Gesicht und strichen einige der wirren Haarsträhnen beiseite. Und dann schlich dieser betörende Duft in die Nase des Teufels.  Und sein Innerstes schrie gequält auf. Die Seele des Teufels, weil er dieses Menschenkind nicht einfach zerfetzten konnte und der Menschenteil weil er ahnte was bald kommen würde.
Er bäumte sich gegen seine Trauer auf und doch war dies nur ein erster kläglicher Versuch. Zu sehr hatte er die Führung des eigenen Leibes an den Teufel verloren. Nichts würde vermeiden können, was sich da anbahnte. Und das war nichts geringeres als ein Massaker in dem Heimatort der Jäger und des Mädchens. Mit ihr würde der Teufel beginnen. Die Menschenseele wusste dies, denn sie waren schließlich zwei Seelen in einem Körper und jeder hörte die Gedanken des anderen laut sowie deutlich genug, sahen wie Geistesblitze immer wieder Bilder vom Vergangenen und erhofften Kommenden des Gegenübers aufflackern, nur um dann wieder zu verlöschen. Seine Tugenden flammten auf, doch waren sie bei weitem nicht stark genug um das Kommende zu verhindern indem er die Macht über seinen Körper zurück erlangte.

Langsam kehrten die Jäger mit dem Gefundenen zurück zu dem kleinen Lager, dass sie über die Nacht aufgeschlagen hatten. Hier wollten sie bis zum nächsten Morgengrauen bleiben.
Der lahmgelegte Sturmwind hörte ganz genau, wie die Männer begonnen das tote Jungreh zu zerlegen und bei dem Geruch wuchs der Hunger. Zusammen mit den dumpfen Herzschlägen und dem Pulsieren der Blutbahnen ergab das ganze eine nervenreizende Suppe, die auf dem Feuer einer brodelnden Seele darauf wartete gar zu werden. Doch diese verdammte Bewegungsunfähigkeit hinderte an allem. Selbst die Wärme des Zelts und des weichen Lagers, auf dem er gebettet und mit weichen Fellen zugedeckt worden war, konnten die lähmende Kälte nicht aus den Knochen treiben.
Das Mädchen war besorgt um sein Wohl. Sie wussten, dass er lebte und doch konnten sie nicht ahnen, dass sein jetziger Zustand noch dafür sorgte, dass sie geschützt waren. Doch ihre Fürsorge würde ihnen zum Verhängnis werden.
Doch was er brauchte war so weit weg und doch wieder so nah. Er wollte sie alle vernichten und zu einem Festmahl seines ausgedörrten Körpers werden lassen. Vielleicht bot sich irgendwann die Möglichkeit.
Doch zunächst wurde ihm ein Sud von dem Mädchen gebracht. Einer der Männer war bei ihr, der den Reglosen stützen sollte, damit er sich an dem Sud nicht verschluckte.
Dem Teufel wurde Elend, denn das was da in der Schale schwappte war nicht das was er haben wollte. Es war zudem gekocht. Schon bei dem Gedanken drehte sich ihm der Magen rebellisch um. Ah es lebt!
Oh ja, das tat der Magen bei der sich anbahnenden Mahlzeit. Er drehte sich jetzt schon mal im Kreis wegen der aufkeimenden Übelkeit.
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